Ratschow Gedächtnismedaille
Die Ratschow Gedächtnismedaille wird im Jahresrhythmus seit 1969 vom CURATORIUM ANGIOLOGIAE INTERNATIONALIS an besonders verdiente wissenschaftliche Persönlichkeiten aus dem Bereich Gefäßmedizin und diese tangierenden Disziplinen verliehen. Das Kuratorium (siehe Reiter „Kuratorium“) ist für die Organisation des Auswahlprozesses und die Verleihung zuständig. Ihm gehören ausschließlich Wissenschaftler aus dem internationalen Gefäßbereich an.
Geehrt wird Prof. Dr. Max Ratschow (siehe Reiter „Max Ratschow“), der als Begründer der Angiologie gilt. Die Initiative zu dieser Stiftung geht auf seinen verdienstvollen Schüler Prof. Dr. Norbert Klüken zurück.
Die mit der Medaille geehrten Wissenschaftler präsentieren auf einer Sitzung während der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) eine ihrer Hauptarbeiten. Diese werden in den "Documenta Angiologorum" vom Schattauer Verlag publiziert.
Prof. Dr. Eberhard Rabe (Präsident des Kuratoriums) schreibt dazu:
„Die Documenta Angiologorum haben unter den angiologischen Periodica eine besondere Zielsetzung. Sie sollen wissenschaftliche Persönlichkeiten und deren Arbeiten entsprechend würdigen. So gelangen in dieser Publikation Beiträge zum Abdruck, die wichtige Entwicklungsakzente in der Angiologie setzen und meist auch gleichzeitig das Lebenswerk des international anerkannten Forschers darstellen, der durch die Verleihung der Ratschow Gedächtnismedaille geehrt wird.“
Seit Jahren ist das Unternehmen Bauerfeind Mäzen dieser Stiftung. Es unterstützt die Arbeit des Kuratoriums, hilft bei der Ausrichtung der Verleihungszeremonie und übernimmt alle anfallenden Kosten.
Kontakt:
Dr. Hans-Jürgen Thomä
(hans-juergen.thomae@bauerfeind.com)
Prof. Dr. med. H.A. Martino Neumann
Preisträger 2011
Die 37. Ratschow-Gedächtnismedaille wurde im Rahmen der 53. Jahrestagung in Berlin an Prof. Dr. med. H.A. Martino Neumann aus Rotterdam verliehen.
Martino Neumann ist international anerkannter Dermatologe und Phlebologe, der sich kontinuierlich für die Evidenz der Kompressionstherapie ausgesprochen hat. Seine Ideen und Konzepte haben mit dazu beigetragen, die phlebologische Therapie zu standardisieren und auch in die Praxis umzusetzen.
Neumann studierte von 1968 - 1976 an der Rijksuniversiteit in Leiden. Von 1976 - 1980 erfolgte die Ausbildung zum Dermatologen und Venenrologen an der Gemeentelijke Universiteit Amsterdam.
1983 erfolgte die Promotion an der Universität Amsterdam mit dem Titel "Relevance of fluorenscence techniques in immunological medaited skin disease".
Von 1980 - 1991 war er am St. Lambert Ziekenhuis, Helmond und Willibrordus Ziekenhuis in Deurne, von 1992 - 1997 als Dermatologe/ Phlebologe am Academic Ziekenhuis in Maastricht und von 1997 - 2001 an der Universität Maastricht tätig. Seit 2002 ist er Professor für Dermatologie und Venerologie am Erasmus MC, Universitair Medish Centrum Rotterdam.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit schlägt sich in einer Vielzahl von Vorträgen und Publikationen nieder. Martino Neumann ist Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereinigungen und bekleidet internationale und nationale Funktionen in der Medizinwelt.
Prof. Dr. med. Wolfgang Hach
Preisträger 2010
Die 36. Ratschow-Gedächtnismedaille wurde in Aachen im Rahmen der 52. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie an Prof. Dr. med. Wolfgang Hach verliehen. Als gebürtiger Berliner studierte Hach von 1949-54 an der Humboldt-Universität Medizin. Anschließend absolvierte er die Facharztausbildungen für Chirurgie und Innere Medizin sowie die Fachausbildung in der Röntgendiagnostik.
Von 1975 bis 1995 war er Ärztlicher Direktor der William Harvey Klinik in Bad Nauheim. In diese Zeit fielen auch die Habilitation (1982) und die Professur für Angiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (1991). Während seiner langjährigen Tätigkeit entwickelte Hach neue phlebologische Konzepte und zahlreiche Operationsmethoden.. So führte er 1973 die stadiengerechte Operation der Stammvarikose ein. Für die Rezidiv-Krossektomie erfand er einen neuen Zugang. Weiterhin erarbeitete er beim therapieresistenten Ulcus cruris die paratibiale Fasziotomie mit subfaszialer Perforantendissektion sowie die krurale Fasziektomie. Für das laterale Ulcus cruris entwickelte er die laterale Muskeltranspositionsplastik. Für besondere Patienten mit postthrombotischem Syndrom schuf er die inverse Venen-Cross-over-Plastik.
Ohne Wolfgang Hach wäre die Phlebologie um viele Aspekte, Anregungen und Erfindungen ärmer. Seine klaren Konzepte haben insbesondere dazu beigetragen, die phlebologische Therapie zu standardisieren und auch in die Praxis umzusetzen. Seine wissenschaftliche Tätigkeit schlug sich in einer Vielzahl von Vorträgen und Publikationen nieder – u.a. 37 Monografien und Buchbeiträge, 167 wissenschaftliche Vorträge und 33 Kongressberichte.
Wolfgang Hach engagierte sich viele Jahre im Vorstand und Beirat der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Von 1976 – 1991 war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und von 1991 – 1995 deren Präsident. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so z.B. den Erich-Krieg-Preis (1981), die Ernst-von-Bergman-Plakette (1989) und das Bundesverdienstkreuz am Bande (1991). Weiterhin wurde er zum Ehrenmitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften sowie der Landesärztekammer Hessen gewählt.
Prof. J. Leonel Villavicencio
Preisträger 2009
Die 35. Ratschow-Gedächtnismedaille wurde in Monaco auf einer Sondersitzung an Prof. J. Leonel Villavicencio (Washington DC, USA) verliehen.
Seine Laufbahn begann Prof. Villavicencio in Militärkrankenhäusern seines Heimatlandes Mexico. Mitte der 1950er Jahre zog er in die USA (Chigaco, Boston). Dort wurde er mit experimentellen und klinischen Arbeiten zur Thrombose bekannt.
1962 kehrte er nach Mexico zurück, wo er die Leitung der Herzchirurgie im Militärkrankenhaus und diverse andere Aufgaben übernahm. Sein Name ist ebenso verknüpft mit zahlreichen Neuerungen auf den Gebieten Angiologie und Gefäßchirurgie als auch durch seine umfangreiche Lehrtätigkeit in den USA und Lateinamerika. Sein Vortrag in Monaco anlässlisch der Preisverleihung trug den Titel: „The desperate plea of women with the nutcracker syndrome“.
Die komplette Laudatio von Prof. E. Rabe anlässlich der Preisverleihung können Sie der XXXV. Ausgabe der Documenta Angiologorum entnehmen.
Prof. Dr. Ulrich Schultz-Ehrenburg für Lebenswerk geehrt
Preisträger 2008
Im Rahmen der 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) vom 15. bis 18. Oktober 2008 in Bochum wurde Prof. Dr. Ulrich Schultz-Ehrenburg, Berlin, die Max Ratschow-Gedächtnis-Medaille verliehen. Die Ehrung wird von der maßgeblich durch die Bauerfeind AG unterstützten Stiftung Ratschow-Gedächtnismedaille an herausragende international anerkannte Wissenschaftler auf dem Gebiet der Gefäßerkrankungen vergeben.
Prof. Dr. K. U. Tiedjen, Past Präsident des Curatorium Angiologiae Internationalis, das den Preis seit 1969 jährlich verleiht, verwies in seiner Laudatio auf die hervorragenden Leistungen des Wissenschaftlers unter anderem in der Angiologie, Phlebologie und Histopathologie. Mit der Bochumer Studie I-IV zur Entstehung der Varizen im 2. und 3. Dezennium stellte Prof. Schultz-Ehrenburg die wohl weltweit bisher einzige prospektive longitudinale Studie vor.
Seine aktive Laufbahn als Mediziner begann Ende der 60er Jahre in Steglitz und umfasste neben einer langen Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Bochum auch die 17-jährige Schriftleitung der Fachzeitschrift „Phlebologie“. 2008 beendete er seine aktive Arbeit in der eigenen dermatologischen Praxis in Berlin.
Frühere Preisträger der Ratschow-Medaille
M. COMEL. Betrachtungen über die Angiologie der Gegenwart und der Zukunft. 1968.
W H. HAUSS. Die Rolle der Mesenchymzellen in der Pathogenese der Arteriosklerose. 1969.
F. MARTORELL. Ulcus hypertonicum. 1970.
E. WOLLHEIM. Kapillaricreislauf und Blutvolumen. 1971.
R. FONTAINE. Die chirurgische Behandlung der arteriosklerotischen Verschlüsse der unteren Extremitäten. 1972.
G. OTTAVIANI. Allgemeine biologische Aussagen über das Lymphsystem. 1973.
L. LASZT. Die Biochemie und Pharmakologie der Venenwand. 1974.
0. OLSSON. Angiographie als Grundlagenuntersuchung in der klinischen Medizin. 1975.
W. REDISCH. Von William Harvey zu Otfried Müller.1976.
R. TOURNAY, H. R. VAN DER MOLEN. Die Entwicklung der Phlebologie in den letzten 30 Jahren (1948-1978). 1977.
R. C. MAYALL. Das Hyperstomie-Syndrom, eine klinische Entität, verursacht durch einen arteriolovenulären Shunt, unter diagnostischen und therapeutischen Aspekten. 1978.
G. V R. BORN. Der Einfluß hämodynamischer Bedingungen auf die Hämostasefunktion der Thrombozyten. 1979.
ROBERT W. WISSLER. Neueste Studien über die Pathogenese und Rückbildung der Atherosklerose. 1980.
MICHAEL FÖLDI. Insuffizienz des Lymphgefäßsystems. 1981.
EDUARDO C. PALMA. Das postphlebitische Syndrom - operative Therapie. 1982.
DIETRICH WERNER LÜBBERS. Die Sauerstoffversorgung der Warmblüterorgane. 1983.
JEAN FRANCOIS MERLEN. Die Akrozyanosen - klinische, pathogenetische und therapeutische Paradoxien. 1985.
R. J. A. M. VAN DONGEN. Heutiger Stand und Bedeutung der vaskulären Chirurgie. 1986.
GERD ASSMANN. Diagnostik und Therapie von Fettstoffwechselstörungen. 1987.
F. COCKETT. Der Einfluß anatomischer Varietäten auf das Venensystem und seine Behandlung.1988.
W. DOERR. Grundsätzliches zur Pathogenese der Gefäßkrankheiten. 1989.
E. BETZ. Experimentelle Studien zur Rolle von Gefäßwandmuskelzellen bei der arteriellen Verschlußkrankheit. 1991.
CHR. M. PAPENDIECK. Zur Behandlung der Hypertension des Venensystems im Kindesalter. 1992.
H. JELLINEK. Die Wirkung von Magnesiumorotat auf die Herzmuskulatur und die Koronarien bei verschiedenen Tierarten in Modellexperimenten. 1996.
ST. KUBIK. Die Entwicklung und Bedeutung des Lymphgefäßsystems bei der Verhütung der Ödembildung unter Berücksichtigung der Struktureigenschaften. 1997.
G. W. SCHMID-SCHÖNBEIN. Mechanismen und Konsequenzen der Zellaktivierung in der Mikrozirkulation. 1999.
N. KLÜKEN. Vaskuläre Dys- und Hyperplasien bei Kindern. 2000.
T. J. RYAN. The blood supply and lymphatic drainage of the skin. 2001.
H. PARTSCH. Die Antistase, ein vernachlässigtes Therapiekonzpet bei der tiefen Beinvenenthrombose. 2002.
H. K. BREDDIN. Tiefe Beinvenenthrombose: Pathogenese, Diagnostik und Therapie Was ist gesichert? Welche Fragen bleiben offen? 2004.
ETELKA FÖLDI. Die Brücke vom Experiment zur Klinik: Das Lymphödem. 2005.
R. V. CLUZAN. Peripheral lymphoedema treatment. 2006.
Sir N. BROWSE. 50 years of phlebology. Advance or standstill? 2007.
U. SCHULTZ-EHRENBURG. Prospective epidemiological study on the beginning of varicose veins. Bochum study I-IV. 2008.
Präsidenten
Prof. Dr. N. Klüken (1969-1999) †
Prof. Dr. K.U. Tiedjen (1999-2006)
Prof. Dr. E. Rabe (seit 2006)
Wissenschaftlicher Beirat
R. Bauersachs (Darmstadt), E. Betz (Tübingen), J.M. Coget (Lille), M. Comel † (Pisa), U. Dembowski (Wiesbaden), M. Földi (Hinterzarten), R. Fontain † (Strassburg) W. H. Hauss † (Münster), M. Jacquet † (Paris), H. Jellinek (Budapest), M. Jünger (Greifswald), J. Kuiper (Nijmwegen), N. Klüken † (Krefeld), P. Langeron † (Lille), M. Müller (Santiago de Chile), R.C. Mayall † (Rio de Janeiro), J. Merlen † (Lille), E. Mian † (Pisa), C.M. Papendieck (Buenos Aires), H. Partsch (Wien), E. Rabe (Bonn), T.J. Ryan (Oxford), G.W. Schmid-Schönbein (San Diego), K. U. Tiedjen (Bochum), L. Widmer † (Basel), M. Zabel (Recklinghausen)
Max Ratschow
(* 7. August 1904 - † 8. November 1963)
Prof. Dr. med. Max Ratschow gilt als Begründer der Fachdisziplin der Angiologie, dem jüngsten Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße beschäftigt. Nach seinem Studium der Medizin in Rostock, Freiburg, Wien, München, Berlin und Breslau von 1924 bis 1929 folgte 1930 die Promotion zum Dr. med. an der Universität Breslau und 1936 die Habilitation an der Universität Kiel für Physiologie. Von 1939 bis 1952 war Max Ratschow an der Medizinischen Universitätsklinik Halle tätig, ab 1948 als ordentlicher Professor für Pathologische Physiologie. Mit dem Ziel eine Forschungsklinik für Gefäßkrankheiten einzurichten, siedelte er 1952 in die damalige Bundesrepublik Deutschland über. Von 1953 bis zu seinem Tod 1963 war Max Ratschow Direktor der medizinischen Klinik Darmstadt und Ordinarius für Innere Medizin. Während dieser Tätigkeit baute er das erste angiologische Forschungszentrum (Eröffnung Mai 1963) auf, aus dem später die nach ihm benannte Max-Ratschow-Klinik für Angiologie am Klinikum Darmstadt entstand.
Die schnelle Entwicklung der neuen Fachdisziplin war verbunden mit Max Ratschows besonderem Engagement für die wissenschaftliche Untersuchung und Therapie von Gefäßkrankheiten und Durchblutungsstörungen. Auf dem Deutschen Ärztetag in Köln 1992 schließlich wurde die Angiologie als Teilbereich der Inneren Medizin anerkannt. Die Ehrung seiner Verdienste um die Gründung des Faches belegen zwei nach ihm benannte Wissenschaftspreise. Seit 1968 wird von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie der Max-Ratschow-Preis für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Gefäßmedizin vergeben. Die Ratschow-Gedächtnismedaille wird seit 1969 vom Curatorium Angiologiae Internationalis an wissenschaftliche Persönlichkeiten für ihr Lebenswerk im Bereich der Gefäßmedizin verliehen. Die Stiftung der Gedächtnismedaille initierte Ratschows Schüler Prof. Dr. med. Norbert Klüken.





