Jetzt entscheiden Qualität, Service und Leistung, 24.10.2008
Als „Chance für alle Beteiligten“ bezeichnete Annette Widmann-Mauz gestern in Zeulenroda die vergangenen Freitag vom Bundestag beschlossenen Veränderungen im Gesundheitswesen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag besuchte gestern die Bauerfeind AG.
Annette Widmann-Mauz traf sich zunächst mit Volkmar Vogel, Mitglied des Bundestages für die Landkreise Altenburger Land und Greiz, und Prof. Hans B. Bauerfeind zu einem gesundheits-politischen Gespräch. Teilnehmer dieser Expertenrunde waren außerdem die Sanitätshausinhaber Frank Jüttner (Orthopädie KG Mühlhausen), Präsident des Bundesinnungsverbandes Orthopädietechnik, Peter Carqueville (Sanitäts- und Gesundheitshaus GmbH Kraftsdorf), Ingo Friedl (Sanitätshaus Altenburg GmbH), Michael Maisch (Orthopädiezentrum Heidelberg), Vorsitzender des Bauerfeind Qualitätspartner Beirates, und Dr. Ernst Pohlen, Geschäftsführer der Eurocom (Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel). Anschließend hinzu kamen unter anderen Frank Steinwachs, Bürgermeister von Zeulenroda-Triebes, IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Höhne und die Landtagsabgeordneten Christian Gumprecht und Fritz Schröter.
Thema war das am vergangenen Freitag vom Bundestag verabschiedete so genannte Organisationsgesetz zur Weiterentwicklung der Strukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Es ergänzt ab 1. Januar 2009 das im April 2007 in Kraft getretene Wettbewerbsstärkungsgesetz und hat sowohl Auswirkungen auf den Sanitätsfachhandel und die Krankenkassen, die miteinander Verträge abschließen, als auch auf die Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln. Denn die Bandagen, Kompressionsstrümpfe und orthopädischen Einlagen – wie sie zum Beispiel Bauerfeind herstellt – werden über den Sanitätsfachhandel vertrieben.
Hintergrund des Wettbewerbstärkungsgesetzes: Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland sind die Sozialsysteme kaum noch finanzierbar. Der Staat muss Kosten einsparen und bestimmt entsprechend auch das Budget der gesetzlichen Krankenkassen. Diese geben den Druck an den Sanitätsfachhandel weiter, indem sie nicht die Kosten für das qualitativ beste Produkt, sondern meist nur für das günstigste erstatten. Viele Produkte werden von den Krankenkassen sogar ausgeschrieben, sodass es möglich ist, dass der Ausschreibungsgewinner nicht das Sanitätshaus vor Ort ist. Dieses Problem wurde gestern intensiv diskutiert. Alle Beteiligten waren sich einig: Der Wettbewerb im Gesundheitswesen darf nicht zu Lasten der Versicherten gehen.
Jedoch müsse der Patient die Möglichkeit haben, selbst Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und wählen zu können – zwischen einer guten Basisversorgung oder einer Versorgung, die über das Maß des Notwendigen hinaus geht und entsprechend mehr kostet.
Das neue Gesetz erleichtert dem Sanitätsfachhandel den Vertragsabschluss mit Krankenkassen. Außerdem wird die Pflicht zur Ausschreibung von Produkten zu einer Kann-Bestimmung umgewandelt. Krankenkassen und Leistungserbringer (wie Sanitätshäuser) müssen sich jedoch bis Juni 2010 einigen, welche Produkte künftig ausgeschrieben werden und welche nicht. Zu letzterer Gruppe gehören nach Meinung der Sanitätsfachhändler und der Industrie alle Produkte mit einem hohen Beratungs- und Dienstleistungsanteil, zum Beispiel orthopädische Einlagen oder Kompressionsstrümpfe. „Es kommt auf den guten Willen aller Beteiligten an“, betonte Annette Widmann-Mauz. Sie sieht in dem neuen Gesetz insgesamt eine Chance für alle Beteiligten – auch für die Krankenkassen. Denn diese müssten künftig ebenfalls in einen Wettbewerb eintreten. Mit dem neuen einheitlichen Krankenversicherungsbeitrag von 15,5 Prozent entschieden Qualität, Service und Leistung.
Dies sind auch für die Bauerfeind Qualitätspartner im Sanitätsfachhandel und für den Hersteller selbst die wichtigsten Aspekte der Patientenversorgung. Bauerfeind als Qualitätsführer in der Branche setzt sich gegen Preisdumping und Billigprodukte ein und vertritt die Interessen der Hilfsmittelbranche auch gegenüber der Politik. Annette Widmann-Mauz versicherte gestern ihren Gesprächspartnern, die weitere Entwicklung zu beobachten und immer ein offenes Ohr zu haben. Das gilt auch für Bürgermeister Frank Steinwachs, der die Bundespolitikerin auf die Probleme mit der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum aufmerksam machte. In den nächsten Jahren wird in Zeulenroda-Triebes eine Reihe von Ärzten in den Ruhestand gehen und Nachwuchs sei nicht in Sicht.

