Deutsche Olympioniken auf dem Weg nach Peking
„Mit Elan, Schwung und Kraft“, 19.02.2008
Freude und Enttäuschung lagen am vergangenen Wochenende im Bundesleistungszentrum in Kienbaum (Brandenburg) ganz dicht beieinander: Fünf Bogenschützinnen kämpften in einem internen Qualifikationsturnier um den letzten Startplatz für die kommenden Weltcups. Und die Turnerinnen präsentierten am Ende eines achttägigen Lehrgangs ihre Übungen vor Kampfrichterin Inge Funk.
Beim Training am Vormittag waren die elf Turnerinnen noch ganz entspannt und witzelten mit Bernd Übach. Der Anwendungstechniker der Bauerfeind AG ging zur Freude der jungen Frauen vor jeder Sportlerin auf die Knie, um für medizinische Kompressionsstrümpfe Maß zu nehmen. Die Kompressionsstrümpfe tragen die Athleten auf langen Wettkampfreisen und auf dem Flug nach Peking. Die Bauerfeind AG ist offizieller Ausstatter der deutschen Olympiamannschaften und unterstützt Ärzte und Physiotherapeuten bei ihrer Arbeit mit den Spitzenathleten. Dazu gehört neben den Kompressionsstrümpfen bei Bedarf auch die Versorgung mit Bandagen, Orthesen und orthopädischen Einlagen. Über deren Funktion und Wirkweise informierte Bernd Übach in Kienbaum anschaulich alle Turnerinnen und Turner des „Team Deutschland“ sowie die Kaderschützen des Deutschen Schützenbundes.
„Das ist sehr gut bei uns angekommen“, sagte Ulla Koch, die Cheftrainerin der Turnerinnen. Unter ihrer Ägide gelang erstmals seit 1992 wieder die Qualifikation eines deutschen Frauenteams für die Olympischen Spiele. Ulla Koch formulierte auch die Vorgabe für das Nachmittagstraining. Sie lautete: „Mit Elan, Schwung und Kraft“ an die Aufgabe zu gehen. Technisch möglichst perfekt wollten dann die Turnerinnen um Anja Brinker, Oksana Chusovitina und Marie-Sophie Hindermann ihre Kür zeigen. Sie liefen sich warm, dehnten sich und machten fleißig Übungen für den Mittelkörper ehe, es an die Geräte ging. Höchst konzentriert turnten sie sich ein und präsentierten eine nach der anderen ihre Übungen. Ulla Koch und Inge Funk, als deutsche Kampfrichterin Nummer eins auch in Peking dabei, bewerteten die Ausführungsqualität: Neben Bravorufen gab es zwischenzeitlich auch enttäuschte Mienen. Doch die Mädchen zeigten sich unermüdlich. Sie feuerten sich gegenseitig an, suchten Rat bei den anwesenden Heimtrainerinnen und probierten so lange die Kräfte reichten.
Die Versuche der deutschen Bogenschützinnen in Kienbaum waren dagegen von vornherein begrenzt. Bundestrainer Martin Frederick setzte in der Laufhalle die letzten beiden Runden des internen Qualifikationswettkampfes an. Pro Runde wurden 2 mal 36 Pfeile auf die 70 Meter entfernt stehenden Scheiben geschossen. Die Anspannung war Sportlerinnen wie Betreuern anzusehen. Es ging für fünf Athletinnen um die letzte Fahrkarte zu den nächsten Weltcups und damit auch um die Teilnahme an den Olympischen Spielen: Wer bei den Weltcups startet, kann sich für die EM im Mai qualifizieren und dort mit guten Leistungen noch das Ticket für Peking sichern.
„Alle hätten es verdient, da hinzufahren“, sagte Karina Winter. Die Berlinerin aber hatte ihre Nerven am besten unter Kontrolle und strahlte über das ganze Gesicht. Sie fliegt mit Veronika Haidn-Tschalova, Anja Hitzler und Lisa Unruh im April als erstes in die Dominikanische Republik und dann nach Kroatien zum Weltcup – Peking nun wieder fest im Visier.
